Gabapentin zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen und Fibromyalgie bei Erwachsenen

Neuropathische Schmerzen werden auf Schädigungen von Nerven zurückgeführt. Sie werden unterschieden von Schmerzsignalen aufgrund einer Gewebeschädigung (zum Beispiel durch einen Sturz, eine Schnittverletzung oder eine Kniegelenksentzündung), welche entlang gesunder Nervenfasern geleitet werden. Neuropathische Schmerzen werden auch mit anderen Medikamenten behandelt als Schmerzen, die von geschädigtem Gewebe verursacht werden. Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sind bei neuropathischen Schmerzen nicht wirksam. Hingegen können Medikamente, die manchmal bei Depression oder Epilepsie eingesetzt werden, bei einigen Menschen mit neuropathischen Schmerzen sehr wirksam sein. Unser Verständnis der Fibromyalgie (einer Erkrankung mit anhaltenden, ausgedehnten Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit, sowie Schlafstörungen und Erschöpfung) ist unzureichend. Doch es ist bekannt, dass Fibromyalgie auf die gleichen Medikamente ansprechen kann, welche auch bei neuropathischen Schmerzen wirken.

Gabapentin wurde ursprünglich zur Therapie von Epilepsie entwickelt, wird aber inzwischen auch zur Behandlung verschiedener Formen von chronischen Schmerzen verwendet. Am 17. März 2014 führten wir eine Literatursuche nach klinischen Studien durch, die Gabapentin zur Behandlung neuropathischer Schmerzen oder von Fibromyalgie einsetzten. Wir fanden 37 Studien von befriedigender Qualität mit insgesamt 5633 Teilnehmern. Gabapentin wurde jeweils über mindestens vier Wochen mit Placebo verglichen. Studien mit einer Behandlungsdauer von nur ein bis zwei Wochen sind im Hinblick auf chronische Schmerzen, die oft jahrelang anhalten, nicht hilfreich.

Lediglich für zwei Erkrankungen fanden wir eine ausreichende Menge Daten: chronische Schmerzen nach dem Auftreten von Gürtelrose (postherpetische Neuralgie) und chronische Schmerzen durch Nervenschädigung bei Diabetes (diabetische Neuropathie). Gabapentin halbierte bei drei oder vier von zehn Teilnehmern die Schmerzen; Placebo hatte diese Wirkung nur bei zwei von zehn Personen.

Mit Gabapentin müssen sechs von zehn Personen mit Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Schwindel (zwei von zehn), Schläfrigkeit (einer oder zwei von zehn), Schwellung der Beine (einer von zehn) oder Gangunsicherheit (einer von zehn) rechnen. Ernste Nebenwirkungen (eine von 33 Personen) wurden aber nicht häufiger festgestellt als mit Placebo. Eine von zehn Personen beendete die Teilnahme an der Studie auf Grund von Nebenwirkungen. Wer Gabapentin nimmt, muss mit dem Auftreten mindestens einer Nebenwirkung rechnen (sechs von zehn Patienten waren betroffen), oder damit, die Behandlung wegen Nebenwirkungen abzubrechen (ungefähr einer von zehn Patienten).

Gabapentin hilft manchen Menschen, die an chronischen neuropathischen Schmerzen oder Fibromyalgie leiden. Es ist aber nicht möglich vorherzusagen, bei wem das Medikament helfen wird und bei wem nicht. Um das herauszufinden sollte nach heutigem Kenntnisstand am besten ein kurzer Therapieversuch durchgeführt werden.

Übersetzung: 

C. Wildhagen, freigegeben durch Cochrane Schweiz

Tools
Information
Teilen / Speichern

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.