Interventionen gegen Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft

Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen treten in der Frühschwangerschaft häufig auf und können sehr unangenehm für die Frauen sein. Für Schwangere mit ‚morgendlicher Übelkeit’ sind viele Therapien, einschließlich medikamentöser, komplementärer und alternativer Behandlungen verfügbar. Aufgrund der Befürchtung, dass eine medikamentöse Therapie der Entwicklung des Fötus schaden kann, wurden in diesem Review Behandlungen betrachtet, die als wirksam und sicher gelten. 

Dieser Review fand zu wenig qualitativ hochwertige Evidenz, um Empfehlungen für eine bestimmte Intervention auszusprechen. Wir untersuchten 41 randomisierte kontrollierte Studien, die 5449 Frauen in der Frühschwangerschaft einschlossen. Diese Studien untersuchten die Alltagswirksamkeit von verschiedenen Interventionen, darunter auch Akupressur des Akupunkturpunktes am Handgelenk (P6), Elektroakupunktur, Akupunktur, Ingwer, Kamille, Vitamin B6, ätherisches Zitronen- und Pfefferminzöl und verschiedene Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen. Manche Studien zeigten einen Nutzen für die Frauen durch Linderung der Übelkeit und des Erbrechens, jedoch war die Wirkung nicht eindeutig und eingeschränkt. Zusammengefasst hatten die Studien ein niedriges Risiko für Bias bezogen auf Verblindung und Berichtserstattung über alle Teilnehmerinnen der Studie. Zu einigen Aspekte der Studien wurden jedoch nicht vollständig berichtet, so war die Zuordnung der Teilnehmerinnen zu Studiengruppen unklar und nicht alle Ergebnisse wurden vollständig und klar berichtet. Die meisten Studien maßen die Symptome der Übelkeit und des Erbrechens auf unterschiedliche Weise und deswegen konnten die Ergebnisse nicht zusammengefasst betrachtet werden. Wenige Studien berichteten über unerwünschte Wirkungen auf Mutter und Kind und es gab sehr wenige Informationen über die Alltagswirksamkeit der Behandlungen auf die Verbesserung der Lebensqualität der Frauen.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Angesichts der hohen Prävalenz von Erbrechen und Übelkeit, benötigen Frauen und Gesundheitsfachleute eine klare Anleitung über wirksame und sichere Interventionen, basierend auf systematisch untersuchter Evidenz. Es besteht ein Mangel an qualitativ hochwertiger Evidenz, um eine bestimmte Intervention zu empfehlen. Das bedeutet nicht, dass die untersuchten Interventionen ineffektiv sind, sondern dass die Evidenz für eine bestimmte Intervention noch unzureichend aussagekräftig ist. Die Schwierigkeiten, die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien zu interpretieren und zu poolen, zeigt deutlich den Bedarf an spezifischen, konsistenten und klar begründeten Endpunkten und nach Ansätzen, diese in wissenschaftlichen Studien zu messen. 

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Viele Frauen leiden in der Frühschwangerschaft an Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen. Auf Frauen mit dieser Symptomatik hat dies erhebliche körperliche, soziale und psychische Auswirkungen. Dies ist eine Aktualisierung eines Reviews zu Interventionen gegen Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft von 2014.

Ziele: 

Die Beurteilung der Alltagswirksamkeit und Sicherheit aller Interventionen gegen Übelkeit, Erbrechen und Würgereiz in der Frühschwangerschaft bis zur 20. Schwangerschaftswoche.

Suchstrategie: 

Wir suchten im Cochrane Pregnancy and Childbirth Group’s Trials Register und im Cochrane Complementary Medicine Field’s Trials Register (19. Januar 2015) und in den Literaturverzeichnissen der gefundenen Studien.

Auswahlkriterien: 

Alle kontrollierten randomisierten Studien zu jeglicher Intervention gegen Übelkeit, Erbrechen und Würgereiz in der Frühschwangerschaft. Wir schlossen Studien mit Interventionen gegen Hyperemesis gravidarum aus, die von einem anderen Cochrane Review erfasst werden. Ebenso schlossen wir quasi-randomisierte Studien und Studien mit Crossover-Design aus.

Datensammlung und -analyse: 

Vier Review-Autoren, jeweils als Paare, beurteilten die Eignung der Studien, bewerteten unabhängig voneinander das Risiko für Bias und extrahierten die Daten der eingeschlossenen Studien.

Hauptergebnisse: 

41 Studien mit 5449 Frauen erfüllten die Einschlusskriterien. Diese Studien untersuchten mehrere Interventionen, wie z.B. Akupressur, Elektroakupunktur, Akupunktur, Ingwer, Kamille, ätherisches Zitronen- und Pfefferminzöl, Vitamin B6 und verschiedene Antiemetika. Wir konnten keine Studie zu Ernährungsweise oder anderen Empfehlungen zur Lebensführung finden. Die Evidenz für die Alltagswirksamkeit der P6 Akupressur, Aurikular-(Ohr-)Akupressur und Elektroakupunktur des P6 war eingeschränkt. Akupunktur (P6 oder traditionelle) zeigte keinen signifikanten Nutzen für Frauen in der Schwangerschaft. Die Anwendung von Ingwerprodukten könnte für die betroffenen Frauen hilfreich sein, aber die Evidenz der Alltagswirksamkeit war eingeschränkt und nicht konsistent, obwohl in drei kürzlich durchgeführten Studien Ingwer besser als Placebos abschnitt. Die Studien lieferten nur eingeschränkte Evidenz, die für den Einsatz pharmakologischer Substanzen, einschließlich Vitamin B6, Doxylamin-Pyridoxin und andere Antiemetika, zur Linderung von Erbrechen und leichter bis mittlerer Übelkeit sprach. Es gab wenig Information über unerwünschte Wirkungen auf Mutter und Kind und über psychologische, soziale oder gesundheitsökonomische Endpunkte.

Aufgrund von Heterogenität der Studienteilnehmerinnen, der Interventionen, der Vergleichsgruppen und der gemessenen oder berichteten Endpunkte konnten wir die Ergebnisse der Studien für die meisten Endpunkte nicht poolen. Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien war unterschiedlich. Das Risiko für Bias der meisten Studien war niedrig in Bezug auf Performance-Bias, Detektions-Bias und Attritions-Bias. Für viele Studien war das Risiko für Selektionsbias unklar und fast die Hälfte der Studien berichteten nicht die vorab festgelegten Endpunkte.

Übersetzung: 

G. Krüger, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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