Antioxidante Vitamine und Mineralstoffe bei männlicher Subfertilität

Frage des Reviews: Können supplementäre orale Antioxidantien Fertilitätsendpunkte bei subfertilen Männern verbessern, verglichen mit Placebos, keiner Behandlung oder anderen Antioxidantien?

Hintergrund: Viele Männer mit eingeschränkten Zeugungsfähigkeiten und in Partnerschaft lebend, die eine Fertilitätsbehandlung erhalten, nehmen häufig Nahrungsergänzungsmittel, um ihre Fertilität zu verbessern. Es ist wichtig, dass diese Männer Zugang zu Evidenz mit hoher Qualität haben, die sie über Nutzen und Risiken der Einnahme von Antioxidantien informiert. Dieser Review möchte herausfinden, ob orale Antioxidantien die Chance eines Paares mit einem subfertilen Mann erhöhen können, eine klinische Schwangerschaft und letztendlich eine Lebendgeburt zu erreichen. Dieser Review hat nicht die Einnahme von Antioxidantien bei Männern mit normalem Sperma untersucht.

Studienmerkmale: Die Cochrane Review-Autoren schlossen 48 randomisierte kontrollierte Studien in diesen aktualisierten Review ein, die einfache und kombinierte Antioxidantien mit Placebos, keiner Behandlung und anderen Antioxidantien verglichen. Insgesamt wurden 4179 subfertile Männer in den Studien untersucht. Die Dauer der Studien variierte zwischen 3 und 26 Wochen mit einem Nachbeobachtungszeitraum von 3 Wochen bis 2 Jahren. Die Männer waren zwischen 20 und 52 Jahre alt. Die Spermien der Männer, die sich zur Studienteilnahme entschieden, zeigten eine geringere Gesamtbeweglichkeit und –Konzentration auf. In einer Studie wurden die Männer nach einer Varikozelektomie eingeschlossen (operative Entfernung einer krankhaften Erweiterung des Hodenvenengeflechts), in einer anderen haben die eingeschlossenen Männer eine Varikozele (Krampfaderbildung am Hodensack) und eine Studie umfasst Männer mit chronischer Prostatitis (chronische Prostataentzündung). In drei Studien wurden Männer eingeschlossen, die sich mit ihrem Partner zusammen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) unterzogen haben und eine Studie hat in Partnerschaft lebende Männer eingeschlossen, die sich einer Intrauterinen Insemination (IUI) unterzogen hatten. Die Daten sind auf dem Stand vom 31. Januar 2014.

Finanzierungsquellen wurden in 15 Studien angegeben. Vier von diesen Studien gaben an, dass die Finanzierung durch eine kommerzielle Quelle kam und die übrigen 11 erhielten Finanzierung durch nicht-kommerzielle Quellen oder universitäre Zuschüsse. In 33 Studien wurde nicht über die Finanzierungsquellen berichtet.

Hauptergebnisse: Antioxidantien könnten bei der Behandlung von subfertilen Männern wirksam sein, aber die Berichterstattung der Studien war zu widersprüchlich, um sich der Ergebnisse sicher sein zu können. Die Ergebnisse bezüglich der Lebendgeburten weisen darauf hin, dass bei 5 von 100 subfertilen Männern, die keine Antioxidantien genommen haben, eine Lebendgeburt eines Babys erwartet werden kann, verglichen mit 10 bis 31 von 100 Männern die Antioxidantien genommen haben. Die Ergebnisse bei der klinischen Schwangerschaftsrate zeigten eine erwartete klinische Schwangerschaft bei 6 von 100 subfertilen Männern, die keine Antioxidantien genommen haben, verglichen mit 11 bis 28 von 100 Männern, die Antioxidantien genommen haben. Unerwünschte Ereignisse wurden nur schlecht berichtet und wir konnten keine Schlussfolgerung zu einer gesundheitsschädlichen Wirkung ziehen. Mehr und größere Studien von hoher Qualität, die Placebo-kontrolliert sind und diese Endpunkte und unerwünschten Ereignisse berichten, sind nötig, um eine definitive Schlussfolgerung ziehen zu können.

Qualität der Evidenz: Die Qualität der Evidenz für Lebendgeburten und klinische Schwangerschaften wurde als niedrig erachtet während die Evidenz zu unerwünschten Ereignissen als sehr niedrig eingestuft wurde. Diese "niedrige" und "sehr niedrige" Bewertung kam aufgrund eines Mangels an klarer Beschreibung der Methoden der Studie und dem nicht eindeutigen und unzureichenden Bericht von Lebendgeburten und klinischen Schwangerschaften. Da nicht genügend Studien die gleichen Interventionen verglichen, war es nicht möglich eine Schlussfolgerung darüber zuziehen, ob sich eine Intervention besser eignet als eine andere.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Es gibt Evidenz niedriger Qualität aus 4 kleinen RCTs, dass eine Antioxidantienbehandlung bei subfertilen Männern zu einer erhöhten Lebendgeburtenrate bei Paaren, die ein Kinderwunschzentrum aufsuchen, führt. Es gibt Evidenz niedriger Qualität, dass sich die klinische Schwangerschaftsrate verbessert. Es gibt keine Evidenz für eine erhöhte Fehlgeburtenrate, was aufgrund der sehr niedrigen Qualität der Evidenz jedoch nicht als gesichert angesehen werden kann. Für andere unerwünschte Wirkungen wurden keine Daten angegeben. Weitere große, gut geplante randomisierte Placebo-kontrollierte Studien sind erforderlich, um die genannten Ergebnisse zu überprüfen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Die männliche Subfertilität wird in 30% bis 80% der Fälle auf oxidativen Stress zurückgeführt, der sich schädigend auf die Spermien auswirkt. Einer von zwanzig Männern ist von Subfertilität betroffen. Antioxidantien sind im Vergleich zu anderen Fertilitätsbehandlungen leicht verfügbar und preiswert und viele Männer nutzen sie bereits, um ihre Fruchtbarkeit zu verbessern. Es wird angenommen, dass die orale Einnahme von Antioxidantien den oxidativen Stress reduziert, wodurch sich die Spermienqualität verbessert. Pentoxifyllin, ein Medikament, das sich wie eine antioxidative Substanz verhält, wurde in dieses Review ebenfalls eingeschlossen.

Ziele: 

Dieses Cochrane Review hat zum Ziel, die Alltagswirksamkeit und die Sicherheit von oral anwendbaren Antioxidantien bei subfertilen Männern in Partnerschaften, die eine assistierte Fertilisation ersuchen, zu evaluieren.

Suchstrategie: 

Wir durchsuchten das Cochrane Menstrual Disorders and Subfertility Group Specialised Register, CENTRAL, MEDLINE, EMBASE, CINAHL, PsycINFO und AMED (bis Januar 2014); Studienregister; Quellen unpublizierter Literatur und Literaturverzeichnisse. Eine Updatesuche wurde im August 2014 durchgeführt und potentielle relevante Studien wurden in die Kategorie „zu bewertende Studien“ eingeordnet.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) ein, die jedwede Art oder Dosierung von antioxidativen Nahrungsergänzungsmitteln (Monosubstanz oder in Kombination) untersuchten, welche vom subfertilen männlichen Partner des Fertilitätsassistenz-ersuchenden Paares eingenommen wurden. Vergleichsgruppen beinhalteten Placebo-Behandlung, keine Behandlung, oder Behandlung mit einem anderen Antioxidans.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Review-Autoren wählten unabhängig voneinander potenziell relevante Studien aus, extrahierten die Daten und bewerteten das Risiko für Bias der eingeschlossenen Studien. Der primäre Endpunkt des Reviews war die Lebendgeburt, zu den sekundären Endpunkten gehörten klinische Schwangerschaftsrate, unerwünschte Wirkungen, Spermien-DNA-Fragmentation, Spermienmotilität und -konzentration. Die Daten wurden gegebenenfalls zusammengefasst, um eine gemeinsame Odds Ratio (OR), eine Mittelwertdifferenz (MD) sowie ein 95%-Konfidenzintervall zu berechnen. Die statistische Heterogenität wurde mittels der I2 Statistik gemessen. Wir bewerteten die Gesamtqualität der Evidenz für die Hauptendpunkte mithilfe der GRADE-Methodik.

Hauptergebnisse: 

Dieses aktualisierte Review umfasste 48 RCTs, welche antioxidative Mono- und Kombinationstherapien mit Placebo, gar keiner Behandlung oder mit einem anderen Antioxidans verglichen und insgesamt 4179 subfertile Männer einschlossen. Die Studiendauer lag zwischen 3 und 26 Wochen mit einer Nachbeobachtungszeit zwischen 3 Wochen und 2 Jahren. Das Alter der Männer lag zwischen 20 und 52 Jahren. Die meisten in die Studien eingeschlossenen Männer hatten eine niedrige Gesamtmotilität und –konzentration der Spermien. Eine Studie schloss Männer nach Varikozelektomie, eine Männer mit Varikozele und eine Männer mit chronischer Prostatitis ein. Drei Studien schlossen Männer ein, welche gemeinsam als Paar an einer in vitro-Fertilisation (IVF) oder an einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) teilnahmen, sowie eine Studie Männer mit intrauteriner Insemination (IUI). Finanzierungsquellen wurden in 15 Studien angegeben. Vier von diesen Studien gaben an, durch eine kommerzielle Quelle finanziert worden zu sein, die verbleibenden 11 Studien erhielten Zuwendungen auf nicht-kommerziellen Wegen oder durch Universitätsfördergelder. Dreiunddreißig Studien gaben keine Finanzierungsquelle an.

Eine Limitation dieses Reviews ist, dass wir zwei verschiedene Gruppen von Studien eingeschlossen haben: jene, die über die Anwendung von Antioxidantien und ihren Effekt auf Lebendgeburten und klinische Schwangerschaft berichten, sowie eine zweite Gruppe von Studien, die über Spermiogrammparameter als primären Endpunkt berichten und damit nicht das Ziel hatten, über den primären Endpunkt dieses Reviews Auskunft zu geben. Wir schlossen 25 Studien ein, die über Spermiogrammparameter berichten, und nur drei von ihnen berichten auch über die Lebendgeburt- oder Schwangerschaftsrate. Andere Limitationen waren eine schlechte Beschreibung der Studienmethodik, Impräzision, die geringe Anzahl an Studien mit verwertbaren Daten, die geringe Fallzahl vieler eingeschlossener Studien und die fehlende Berichterstattung über unerwünschte Wirkungen. Die Evidenzlage wurde als „sehr niedrig“ bis „niedrig“ bewertet. Der Stichtag der Datenanalyse war am 31. Januar 2014.

Lebendgeburten: Die Anwendung von Antioxidantien könnte erhöhte Lebendgeburtenraten erzielen (OR 4,21, 95%-KI 2,08 bis 8,51, p<0,0001, 4 RCTs, 277 Männer, I2 = 0%, niedrige Qualität der Evidenz). Das bedeutet, dass wenn die Chance für eine Lebendgeburt unter Placebo- bzw. keiner Behandlung bei 5% liegt, bewegt sie sich nach Antioxidantienbehandlung schätzungsweise zwischen 10% und 31%. Jedoch stützt sich dieses Ergebnis nur auf 44 Lebendgeburten von 277 Paaren aus 4 kleinen Studien.

Klinische Schwangerschaftsrate: Antioxidantien können zu einer erhöhten klinischen Schwangerschaftsrate führen (OR 3,43, 95% KCI 1,92 bis 6,11, p< 0,0001, 7 RCTs, 522 Männer, I2 = 0%, niedrige Qualität der Evidenz). Dies bedeutet, dass wenn die Chance für eine klinische Schwangerschaft unter Placebo- bzw. keiner Behandlung bei 6% liegt, diese nach Antioxidantienbehandlung schätzungsweise zwischen 11% und 28% liegt. Jedoch basieren die Daten dieser Analyse lediglich auf sechs kleinen Studien und die Qualität der Evidenz wurde als niedrig bewertet.

Fehlgeburten: Nur drei Studien berichteten Ergebnisse zu diesem Endpunkt, der sehr selten war. Die Evidenz war ungenügend um zu zeigen, ob es einen Unterschied in der Fehlgeburtenrate zwischen der Antioxidantien- und der Behandlungsgruppe gab (OR 1,74, 95% KI 0,40 bis 7,60, p= 0,46, 3 RCTs, 247 Männer, I2 = 0%, sehr niedrige Qualität der Evidenz). Die Ergebnisse bedeuten, dass wenn in einer Population von subfertilen Männern die Fehlgeburtenrate bei 2% liegt, die Anwendung von Antioxidantien eine Fehlgeburtenrate von 1% bis 13% mit sich bringen würde.

Gastrointestinale Beschwerden: Die Evidenz war ungenügend um zu zeigen, ob es einen Unterschied in der Rate gastrointestinaler Nebenwirkungen unter Antioxidantieneinnahme im Vergleich zur Placebo- bzw. unbehandelten Gruppe gab (OR 1,60, 95% KI 0,47 bis 5.50, p=0,46, 6 RCTs, 429 Männer, I2 = 0%).

Wir waren nicht in der Lage Unterschiede zwischen einzelnen Antioxidantien zu zeigen, da nicht genügend Studien dieselben Interventionen miteinander verglichen.

Übersetzung: 

S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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