Topische nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) bei chronischen muskuloskelettalen Schmerzen bei Erwachsenen

Fazit

Topisches Diclofenac und topisches Ketoprofen erreichen bei Arthrose ein hohes Maß an Schmerzlinderung, jedoch nur bei etwa 10 % mehr Menschen als ein topisches Placebo. Es gibt keine Evidenz für andere chronische Schmerzerkrankungen.

Hintergrund

Zu chronischen muskuloskelettalen Schmerzen kommt es bei Erkrankungen wie Arthrose. Die Schmerzen sind typischerweise mäßig bis schwer und dauern drei Monate oder länger an.

Topische nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) werden in Form von Gels, Cremes, Sprays oder Pflastern dort, wo der Schmerz empfunden wird, auf die unverletzte Haut aufgetragen. Topische NSAIDs dringen in die Haut, in Gewebe oder Gelenke ein und vermindern die Prozesse, die zu Schmerzen im Gewebe führen. Der Medikamentenspiegel im Blut ist mit topischen NSAIDs sehr viel geringer, als wenn das gleiche Medikament oral (durch den Mund) eingenommen wird. Dies minimiert das Risiko von schädlichen Wirkungen.

Studienmerkmale

Dieser Review ist eine Aktualisierung des Reviews „Topical NSAIDs for chronic musculoskeletal pain in adults“, der 2012 veröffentlicht wurde. Wir fanden 39 Studien von insgesamt hoher Qualität mit 10.631 Teilnehmern, in denen topische NSAIDs mindestens einmal am Tag angewandt wurden. In diesen Studien wurden eine Reihe unterschiedlicher topischer Medikamente getestet, meist im Vergleich mit einem topischen Placebo. Uns interessierten Teilnehmer, bei denen es zu einer guten Schmerzverringerung kam (um etwa die Hälfte), idealerweise 6 bis 12 Wochen nach Behandlungsbeginn. Studien, die länger dauern, stellen die tatsächlichen Bedingungen besser dar, da die Schmerzen bei solchen chronischen Erkrankungen fast nie ohne Behandlung verschwinden. Wir untersuchten einzelne NSAIDs auf ihre Wirksamkeit.

Hauptergebnisse

Diclofenac und Ketoprofen waren die einzigen beiden Wirkstoffe, die in hochwertigen und langfristigen Studien untersucht wurden, überwiegend an Patienten über 40 Jahren mit schmerzhafter Kniearthrose. Verglichen wurde topisches Diclofenac oder Ketoprofen in Form einer Lösung oder eines Gels mit der Lösung oder dem Gel ohne Wirkstoff (topisches Placebo). Bei Diclofenac und Ketoprofen kam es bei etwa 6 von 10 Teilnehmern mit Arthrose zu stark verringerten Schmerzen nach 6 bis 12 Wochen im Vergleich zu 5 von 10 Teilnehmern, die ein topisches Placebo erhielten (Evidenz von moderater Qualität).

Hautreaktionen (überwiegend schwach) waren bei topischem Diclofenac häufiger (20 von 100) als bei topischem Placebo (5 von 100); zwischen topischem Ketoprofen und topischem Placebo gab es keinen Unterschied (Evidenz von moderater Qualität). Von anderen unerwünschten Ereignissen wie Bauchschmerzen wurde in diesen Studien kaum berichtet, es bestand hier jedoch kein Unterschied zwischen topischem Diclofenac oder Ketoprofen und topischem Placebo (Evidenz von sehr niedriger Qualität). Schwere unerwünschte Ereignisse traten selten auf.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz für topisches Diclofenac und topisches Ketoprofen im Vergleich mit dem Placebo als moderat bei der Alltagswirksamkeit und als sehr niedrig bei den schädlichen Wirkungen. Evidenz von moderater Qualität bedeutet, dass zukünftige Forschungsarbeiten unsere Effektschätzungen verändern könnten, und sehr niedrige Qualität bedeutet, dass wir sehr unsicher im Hinblick auf die Genauigkeit unserer Schätzungen sind.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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