Kann motivierende Gesprächsführung bei der Entwöhnung von Rauchern helfen?

Hintergrund: Motivierende Gesprächsführung wird häufig benutzt, um Rauchern bei der Entwöhnung zu helfen. Es handelt sich um einen Beratungsstil, der Menschen hilft, ihre Unsicherheiten bei Verhaltensänderungen zu erkunden und zu beseitigen. Agressive oder konfrontationale Beratung wird vermieden, stattdessen wird versucht die Menschen zu einer gewollten Verhaltensänderung zu lenken und ihr Selbstvertrauen zu fördern. Durch diesen Review soll festgestellt werden, ob motivierende Gesprächsführung mehr Rauchern bei der Entwöhnung hilft, als dies durch kurze Ratschläge oder Regelversorgung der Fall ist.

Studienmerkmale: Wir suchten im August 2014 nach neuen Studien für diesen Review und haben 14 neue Studien gefunden. In diesem Review sind nun achtundzwanzig randomisierte oder cluster-randomisierte kontrollierte Studien enthalten. Studien wurden berücksichtigt bei denen Teilnehmer Konsumenten von Tabak waren, wenn Teilnehmer keine schwangeren Frauen oder Jugendliche waren; wenn die überprüfte Intervention auf motivierender Gesprächsführung basierte; wenn die Studie eine Monitoring der motivierenden Gesprächsführung aufwies, beispielsweise Mitarbeitertraining oder eine Messung der Qualität der durchgeführten Beratung, oder beides; wenn die Kontroll-/Vergleichsbedingung aus einem kurzen Rat oder üblicher Regelversorgung bestand und wenn die Studie Raucherentwöhnung von mindestens sechs Monaten nach Beginn des Programms untersuchte. Insgesamt wurden in den Studien 16803 Tabakkonsumenten untersucht. Zwei dieser Studien untersuchten Konsumenten von rauchfreien Tabak, der Rest der Studien Zigarettenraucher. Die Mehrheit der Studien boten individuelle motivierende Gesprächsführung, während sieben Studien telefonische Unterstützung durchführten.

Wichtigste Ergebnisse: Unser Review stellte fest, dass motivierende Gesprächsführung mehr Rauchern bei der Entwöhnung zu helfen scheint als durch kurzen Rat oder Regelversorgung, wenn diese durch einen Hausarzt und durch ausgebildete Berater durchgeführt wurden. Es scheint, dass Hausärzte erfolgreicher bei der Durchführung von motivierender Gesprächsführung sind als Pflegefachleute oder Berater. Kürzere motivierende Gesprächsführungen (weniger als 20 Minuten je Sitzung) waren wirksamer als längere. Eine einzelne Interventionssitzung schien etwas erfolgreicher zu sein als mehrere Sitzungen, aber beide lieferten erfolgreiche Endpunkte. Die Evidenz der Nützlichkeit von nachfassender Telefonunterstützung war unklar, persönliche Beratung half nicht mehr Raucher bei der Entwöhnung als telefonische Beratung. Beide Interventionsarten waren erfolgreicher als kurze Ratschläge oder Regelversorgung.

Qualität der Evidenz: Wir haben die in diesem Review präsentierte Evidenz als moderat beurteilt. Unsere Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden, da Abweichungen in Studienmerkmalen und in der Art der Interventionen vorliegen. In einigen Fällen war es schwer die Studienqualität festzustellen, da die nötigen Studiendetails nicht berichtet wurden. Schließlich gibt es Evidenz, dass Studien, die keinen Effekt durch motivierende Gesprächsführung fanden, weniger wahrscheinlich publiziert wurden. Diese Tatsache kann einen Einfluss auf unsere Ergebnisse haben.

Übersetzung: 

L. Hamminger, Koordination durch Cochrane Schweiz.

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