Maßnahmen während der Austreibungsphase, um Dammverletzungen zu reduzieren

Worum geht es?

Bei vaginalen Entbindungen kommt es häufig in irgendeiner Form zu einer Verletzung des Genitaltrakts. Risse, die den Afterschließmuskel oder den Schließmuskel und die Afterschleimhaut betreffen (Dammrisse dritten und vierten Grades), können schwerwiegende Probleme verursachen. Dammverletzungen können spontan auftreten oder durch einen chirurgischen Eingriff (Dammschnitt/Episiotomie) herbeigeführt werden. Es werden verschiedene Dammschutztechniken angewandt, um die Geburt des Babykopfes zu verlangsamen und dem Dammgewebe ein langsames Dehnen zu ermöglichen, um so Verletzungen zu vermeiden. Massage, warme Kompressen und verschiedene Techniken zur Vorbereitung des Dammgewebes werden von Hebammen und Geburtshelfern verbreitet angewandt. Ziel dieses aktualisierten Reviews war es, die Wirkung von Dammschutztechniken während der Austreibungsphase auf das Auftreten von Dammverletzungen zu bewerten. Dies ist eine Aktualisierung eines 2011 veröffentlichten Reviews.

Warum ist das wichtig?

Dammverletzungen können Schmerzen und andere Probleme für die Frauen nach der Geburt verursachen. Der Schaden wird als Riss ersten, zweiten, dritten oder vierten Grades beschrieben, wobei Risse ersten Grades den geringsten Schaden verursachen und Risse vierten Grades den größten. Risse dritten und vierten Grades betreffen den Afterschließmuskel bzw. den Afterschließmuskel und die Afterschleimhaut und verursachen damit die meisten Probleme. Ein geringerer Einsatz von Dammschnitten verringert die Verletzung des Dammgewebes. Auch werden verschiedene Dammschutzmethoden angewandt, um die Geburt des Babykopfes zu verlangsamen. Massage, warme Kompressen und verschiedene Techniken zur Vorbereitung des Dammgewebes werden von Hebammen und Geburtshelfern verbreitet angewandt. Es ist wichtig zu wissen, ob diese Maßnahmen tatsächlich Verletzungen und Schmerzen bei den Gebärenden reduzieren.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten im September 2016 nach Studien. 22 Studien entsprachen den Einschlusskriterien für diesen aktualisierten Review, aber nur 20 Studien (mit insgesamt 15.181 Frauen) lieferten Ergebnisse für den Review. Bei den Studienteilnehmerinnen handelte es sich um Frauen ohne medizinische Komplikationen, die eine vaginale Entbindung erwarteten. Das Risiko für Bias in den Studien war unterschiedlich und die Qualität der Studien stuften wir als sehr niedrig bis moderat ein.

Hands-off- bzw. Hands-poised-Methode (kein Dammschutz mit den Händen) im Vergleich mit Hands-on-Methode (Dammschutz mit den Händen)

Wurde das Dammgewebe während der Geburt nicht gestützt („hands off“), war die Anzahl der Frauen geringer, bei denen ein Dammschnitt vorgenommen wurde (Evidenz von niedriger Qualität); es gab jedoch keinen Unterschied in der Anzahl der Frauen ohne Dammriss (Evidenz von moderater Qualität) und von Rissen ersten Grades (Evidenz von niedriger Qualität), zweiten Grades (Evidenz von niedriger Qualität) oder dritten bis vierten Grades (Evidenz von sehr niedriger Qualität). Zwischen den Ergebnissen der vier Studien bestanden beträchtliche unerklärte Unterschiede. Keine der Studien lieferte Daten zur Anzahl der Risse, die genäht werden mussten.

Warme Kompressen im Vergleich mit Kontrollgruppe („hands off“ oder keine warme Kompresse)

In der Gruppe der Frauen, die warme Kompressen bekamen, traten weniger Dammrisse dritten oder vierten Grades auf (Evidenz von moderater Qualität). Eine warme Kompresse hatte keinen Einfluss auf die Anzahl von Frauen mit unverletztem Damm (Evidenz von moderater Qualität), Rissen, die genäht werden mussten (Evidenz von sehr niedriger Qualität), Rissen zweiten Grades (Evidenz von sehr niedriger Qualität) oder Dammschnitten (Evidenz von niedriger Qualität). Es ist nicht sicher, ob mit warmen Kompressen Risse ersten Grades häufiger oder seltener auftreten (Evidenz von sehr niedriger Qualität).

Massage im Vergleich mit Kontrollgruppe („hands off“ oder Standardversorgung)

In der Gruppe, die eine Dammmassage erhielt, hatten mehr Frauen einen unverletzten Damm (Evidenz von niedriger Qualität) und weniger Frauen mit Rissen dritten oder vierten Grades (Evidenz von moderater Qualität). Die Massage schien sich nicht auf die Anzahl der Frauen mit Dammrissen, die genäht werden mussten (Evidenz von sehr niedriger Qualität), mit Rissen ersten Grades (Evidenz von sehr niedriger Qualität), mit Rissen zweiten Grades (Evidenz von sehr niedriger Qualität) oder mit Dammschnitten (Evidenz von sehr niedriger Qualität) auszuwirken.

Ritgen-Hinterdammgriff im Vergleich mit Standardversorgung

Eine kleine Studie belegte, dass bei Frauen, bei denen der Ritgen-Hinterdammgriff angewandt wurde, weniger Risse ersten Grades auftraten (Evidenz von sehr niedriger Qualität), jedoch mehr Risse zweiten Grades (Evidenz von sehr niedriger Qualität). Es gab keinen Unterschied zwischen den Gruppen im Hinblick auf die Anzahl von Rissen dritten oder vierten Grades oder von Dammschnitten (beides Evidenz von niedriger Qualität).

Was bedeutet das?

Wir kommen zu dem Ergebnis, dass Massage und warme Kompressen schwerwiegende Dammverletzungen (Risse dritten und vierten Grades) verringern können. Geburtshilfliche Techniken ohne Dammschutz mit den Händen („hands off“) können die Anzahl der Dammschnitte verringern, aber es ist nicht klar, ob diese Techniken sich positiv auf andere Dammverletzungen auswirken. Es besteht weiterhin Unsicherheit über den Wert anderer Techniken zur Verringerung von Dammverletzungen während der Geburt.

Es sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um verschiedene Dammschutztechniken auszuwerten und die Frage zu beantworten, wie sich Dammverletzungen minimieren lassen. Es liegt keine ausreichende Evidenz zu den Erfahrungen und Ansichten der betroffenen Frauen vor (nur eine eingeschlossene Studie sammelte dazu Daten). Es ist wichtig, dass zukünftige Forschungsarbeiten feststellen, ob diese Maßnahmen für die Gebärenden akzeptabel sind.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information
Share/Save

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.