Antibiotische Prophylaxe für transrektale Prostatastanzbiopsien

Das Prostatakarzinom ist der am zweithäufigsten diagnostizierte Krebs bei Männern und die transrektale Prostatastanzbiopsie ist die Methode zur Gewebegewinnung, um die Diagnose Prostatakarzinom histologisch zu bestätigen. Obwohl infektiöse Komplikationen einer transrektalen Prostatastanzbiopsie gut bekannt sind, besteht weiterhin Unklarheit darüber, ob eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe notwendig und effektiv ist. Weiterhin besteht ein klarer Mangel an Standarisierung dieser antibiotischen Prophylaxe. In neun Studien konnte festgestellt werden, dass antibiotische Prophylaxe effektiv in der Vermeidung infektiöser Komplikationen (Bakteriurie, Bakteriämie, Fieber, Harnwegsinfektion, Sepsis) und Hospitalisierung nach Prostatastanzbiopsie ist. Verschiedene Klassen von Antibiotika sind effektiv in der Prophylaxe bei Prostatastanzbiopsie, dabei sind Chinolone die am besten untersuchte Klasse. Es gibt keine definitiven Daten, die bestätigen, dass Langzeit- gegenüber Kurzzeitprophylaxe sowie Mehrfachdosierung gegenüber Kurzzeitdosierung überlegen sind.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die antibiotische Prophylaxe ist wirksam in der Prävention infektiöser Komplikationen nach TPB. Es gibt keine endgültigen Daten, die bestätigen, dass eine Langzeitprophylaxe (3 Tage) einer Kurzzeitprophylaxe (1 Tag) und eine Mehrfachdosis einer Einzeldosis überlegen sind.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Die transrektale Prostatastanzbiopsie (TPB) ist eine gut etablierte Methode zur Gewebeentnahme und damit zur histologischen Diagnose eines Prostatakarzinoms. Obwohl die TPB generell als sichere Methode eingeschätzt wird, kann es zu traumatischen und infektiösen Komplikationen kommen – einschließlich asymptomatischer Bakteriurie (Bakterien im Urin), Harnwegsinfektionen (HWIs), vorübergehender Bakteriämie (Bakterien im Blut), Fieberschüben und Sepsis (pathogene Mikroorganismen oder deren Gifte im Blut). Obwohl infektiöse Komplikationen nach TPB gut bekannt sind, besteht Unklarheit, ob eine antibiotische Prophylaxe notwendig und wirksam ist bzw. über ihre unerwünschten Wirkungne. Zusätzlich besteht ein klarer Mangel an Standarisierung.

Ziele: 

Ziel ist es, die Wirksamkeit und unerwünschten Wirkungen der antibiotischen Prophylaxe bei TPS zu evaluieren.

Suchstrategie: 

Die Suche schloss die wesentlichen elektronischen Datenbanken: MEDLINE, EMBASE, LILACS und das Cochrane Register of Controlled Trials (CENTRAL) ein. Weiterhin wurden Experten konsultiert und die Referenzlisten relevanter Publikationen durchsucht.

Auswahlkriterien: 

Alle randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) mit Männern, die eine TPB unter antibiotischer Prophylaxe oder Placebo/keiner Therapie erhielten, wurden eingeschlossen. Außerdem wurden RCTs berücksichtigt, die ein Antibiotikum gegen ein anderes testeten – einschließlich vergleichbarer Dosierungen, Applikationsformen, Frequenz der Applikation und Dauer der antibiotischen Prophylaxe.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Reviewautoren (ELZ, OACC) bewerteten unabhängig voneinander den Einschluss der Studien und extrahierten die Studiendaten. Unstimmigkeiten wurden durch einen dritten Autor (NRNJ) gelöst.

Hauptergebnisse: 

Insgesamt wurden mehr als 3500 Referenzen gesichtet und 19 Publikationen mit 3599 Patienten eingeschlossen.

Neun Studien untersuchten ein Antibiotikum gegen Placebo/keine Therapie und zeigten einen signifikanten Vorteil für alle Endpunkte in der Antibiotikagruppe (p< 0,05) (I2 =0%) – einschließlich der Endpunkte Bakteriurie (relatives Risiko (RR) 0,25; 95% Konfidenzintervall (KI) 0,15 bis 0,42), Bakteriämie (RR 0,67; 95% KI 0,49 bis 0,92), Fieber (RR 0,39; 95% KI 0,23 bis 0,64), Harnwegsinfektion (RR 0,37; 95% KI 0,22 bis 0,62) und Hospitalisierung (RR 0,13; 95% KI 0,03 bis 0,55). Verschiedene Klassen von Antibiotika waren in der Prophylaxe für TPB wirksam, wobei die Chinolone mit der größten Anzahl von Studien (5) und Patienten (1188) die beste analysierte Antibiotikaklasse darstellte. Für „Antibiotikum gegen Darmspülung“ wurden vier Studien mit einer limitierten Patientenanzahl ausgewertet. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen waren in allen Endpunkten nicht signifikant. Für die Untersuchung „Antibiotikum gegen Antibiotikum plus Darmspülung“ war lediglich das Risiko für Bakteriämie (RR 0,25; 95% KI 0,08 bis 0,75) in der Gruppe „Antibiotikum plus Darmspülung“ vermindert. Sieben Studien evaluierten die Wirkung von Kurzzeit- (1 Tag) gegen Langzeitprophylaxe (3 Tage). Die Langzeitprophylaxe war nur hinsichtlich der Bakteriurie (RR 2,09; 95% KI 1,17 bis 3,73) signifikant besser als die Kurzzeitantibiose. Für „Einzel- gegen Mehrfachdosis“ gab es in der Gruppe mit Einzeldosis ein signifikant höheres Risiko für Bakteriurie (RR 1,98; 95% KI 1,18 bis 3,33). Im Vergleich orale Applikationsform mit systemischer (intramuskulär und intravenös) Darreichungsform des Antibiotikums gab es keine signifikanten Unterschiede bezüglich Bakteriurie, Fieber, Harnwegsinfektion und Hospitalisierung.

Übersetzung: 

S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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