Neuroprotektiva (Arzneimittel, welche die an den Sehprozessen beteiligten Nerven schützen) zur Behandlung von Grünem Star bei Erwachsenen

Ziel des Reviews
Das Ziel des vorliegenden Cochrane Reviews war es, festzustellen, ob Neuroprotektiva (die zum Schutz von Nerven und Zellen im Auge dienen) bei der Behandlung von Grünem Star bei Erwachsenen wirksam sind. Wir suchten nach sämtlichen für die Beantwortung dieser Frage relevanten Studien und fanden eine Studie.

Hauptaussagen
Neuroprotektiva zur Behandlung von Grünem Star sollen dem Sehverlust bei Augen mit Grünem Star vorbeugen. Zurzeit liegt jedoch keine ausreichende Evidenz vor, die belegt, dass diese Arzneimittel eine wirksame Behandlung bei Grünem Star sind, und Nerven und Zellen in den Augen direkt schützen.

Was wurde in diesem Review untersucht?
Grüner Star ist die häufigste Ursache von Erblindung weltweit. Die Krankheit führt zu einer Schädigung des Sehnervs, die sich mit der Zeit verschlechtert. Darüber hinaus werden die Zellen in der Retina (Netzhaut), welche die Signale an den Sehnerv (die retinalen Ganglienzellen) senden, geschädigt und sterben ab. Dies beeinträchtigt das normale Sehvermögen im zentralen und äußeren oder oberen und unteren Gesichtsfeld einer Person (Gesichtsfeldausfall).

Es gibt Arzneimittel, die den Sehnerv vor einer Schädigung schützen und dem Tod der retinalen Ganglienzellen bei Personen mit grünem Star vorbeugen könnten. Neuroprotektiva werden bei Grünem Star verschrieben, um dem Sehverlust vorzubeugen, oder diesen zu verlangsamen, indem sie den Sehnerv schützen.

Hauptergebnisse
Wir suchten in mehreren elektronischen Datenbanken nach Studien, und fanden dabei eine Studie, die zwei verschiedene Behandlungen mit Augentropfen bei zwei Gruppen von Erwachsenen mit Niederdruckglaukom verglichen. Eine Gruppe erhielt Brimonidin, ein Neuroprotektivum. Die andere Gruppe erhielt Timolol, ein Medikament, das den Flüssigkeitsdruck in den Augen senkt. Die Studienärzte beobachteten diese beiden Personengruppen vier Jahre lang, um zu sehen, inwiefern die Behandlung den Sehnerv schützte, und einem Sehverlust vorbeugte.

Die Studie begann mit 99 Personen in der Brimonidin-Gruppe und mit 79 Personen in der Timolol-Gruppe. Nach vier Jahren hatten viele Personen die Studie abgebrochen: Lediglich 45 Personen (45%) waren in der Brimonidin-Gruppe und 56 Personen (70%) in der Timolol-Gruppe verblieben. Da so viele Personen die Studie abgebrochen hatten, und mehr Personen, die die Studie abgebrochen hatten, Brimonidin anwendeten, und nicht Timolol, gestaltete sich die Interpretation der Studienergebnisse schwierig. Wenn man dies berücksichtigt, hatten nach vier Jahren der Behandlung die Personen in der Brimonidin-Gruppe einen größeren Teil ihres Sehvermögens (40/​45 oder 88%) bewahrt, als die Personen in der Timolol-Gruppe (38/​56 oder 67%). Wir kennen nicht die Ergebnisse der Personen, die die Studie abbrachen.

Keine Gruppe zeigte eine bedeutende Veränderung beim Augendruck (Augeninnendruck). Es waren ausreichend Daten zur Sehschärfe (Sehkraft) für eine Analyse vorhanden. Es wurden keine Daten zum Verhältnis der Exkavations- zur Papillenfläche (eine Messung einer möglichen Schädigung des Sehnervs), zur Lebensqualität oder zu wirtschaftlichen Endpunkten berichtet. Die häufigste Nebenwirkung war eine allergische Reaktion auf die Arzneimittel im Auge, die bei 20/​99 (20%) Personen der Brimonidin-Gruppe und 3/​79 (4%) Personen in der Timolol-Gruppe auftrat.

Aktualität dieses Review
Wir suchten nach Studien, die bis zum 16. August 2016 veröffentlicht worden waren.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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