H1-Antihistaminika bei chronischer spontaner Urtikaria (Nesselsucht)

Hintergrund

Die chronische spontane Urtikaria zeichnet sich durch einen Ausschlag mit roten, juckenden Quaddeln aus, die ohne ersichtlichen Grund entstehen. Andere Bezeichnungen sind chronische idiopathische Urtikaria oder Nesselsucht. Der Begriff "spontan" unterscheidet diese Art Urtikaria von der "induzierten" oder "physikalischen" Urtikaria, für die es bestimmte auslösende Reize gibt, wie beispielsweise Kälte oder Druck. "Chronisch" bedeutet, dass der Zustand mindestens sechs Wochen anhält. Die Quaddeln können von extremem Juckreiz begleitet sein und hässlich aussehen, was für die Betroffenen zusätzlich belastend ist. In einigen Fällen können Quaddeln auch mit einer stärkeren Schwellung einhergehen, die als Angioödem bezeichnet wird. Am häufigsten tritt sie um Augen und Mund auf.

Antihistaminika und insbesondere H1-Antihistaminika sind zentraler Bestandteil der Behandlung von Urtikaria, auch wenn sie nur die Beschwerden lindern, nicht die Krankheit heilen. Viele Antihistaminika können rezeptfrei erworben werden, darunter Marken wie Claritin, Piriton, Zyrtek, Benadryl und Phenergan (Markennamen können je nach Land variieren).

Fragestellung des Reviews

Welche H1-Antihistaminika sind bei chronischer spontaner Urtikaria wirksam und sicher?

Studienmerkmale

Wir schlossen 73 randomisierte, kontrollierte Studien in den Review ein, an denen insgesamt 9759 Probanden aller Altersgruppen teilnahmen. Es sollte festgestellt werden, ob die Nesselsucht vollständig unterdrückt wurde. Behandlungsdauer war entweder bis zu zwei Wochen (kurzfristig) oder zwischen zwei Wochen und drei Monaten (mittelfristig).

Hauptergebnisse

Wir analysierten klinische Studien, in denen ein Mittel mit einem Placebo oder einem anderen Mittel verglichen wurde (direkter Vergleich). Wir stellten fest, dass mit einer täglichen Einzeldosis von 10 mg Cetirizin sowohl bei kurz- als auch bei mittelfristiger Behandlungsdauer die Nesselsucht vollständig abheilte, wenn auch nicht bei allen Patienten. Auch Desloratadin erwies sich als relativ wirksam, wenn es mit einer Dosierung von 5 mg über einen mindestens mittelfristigen Zeitraum ober mit einer Dosierung von 20 mg über einen kurzfristigen Zeitraum eingenommen wurde. Mit 5 mg Levocetirizin konnte zwar mittelfristig ein vollständiges Abklingen der Symptome erzielt werden, nicht jedoch kurzfristig. Bei kurzfristiger Einnahme waren auch 10 mg noch nicht wirksam, wohl jedoch eine höhere Dosierung von 20 mg.

Unerwünschte Ereignisse wie Kopfschmerzen oder Mundtrockenheit sind bei den meisten Antihistaminika erträglich. Weniger eindeutig ist die Evidenz im Hinblick auf eine Verbesserung der Lebensqualität (z.B. Verringerung der Schlafstörungen wegen Juckreiz, geringere Beschwerden durch Quaddeln), da diese Fragestellung in vielen Studien nicht untersucht wurde.

Es lässt sich nicht eindeutig sagen, ob ein Antihistaminikum besser wirkt als alle übrigen, da nicht jedes Medikament einem unmittelbaren Vergleich mit allen anderen unterzogen wurde.

Qualität der Evidenz

Allgemein war die Qualität der Evidenz für die meisten Endpunkte gering. Weitere gut angelegte und sorgsam dokumentierte Vergleichsstudien sind nötig, um herauszufinden, wie gut diese Medikamente wirken und ob es unerwünschte Nebenwirkungen gibt, insbesondere bei einer Therapiedauer von mehreren Monaten.

Übersetzung: 

B. Bayerlein, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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