Kontinuierliche unterstützende Betreuung für Frauen während des Geburtsprozesses

Die kontinuierliche Betreuung während des Geburtsprozesses erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer spontanen vaginalen Geburt, zeigte keine schädliche Wirkung und die Frauen waren zufriedener.

Geschichtlich betrachtet wurden Frauen während der Wehen des Geburtsprozesses schon immer von anderen Frauen begleitet und unterstützt. In vielen Ländern ist eine kontinuierliche Betreuung während des Geburtsprozesses jedoch zur Ausnahme statt zur Regel geworden, da mehr Frauen ihr Kind im Krankenhaus statt zu Hause gebären. Dies könnte zur Technisierung der Geburtserfahrungen von Frauen beitragen. Moderne geburtshilfliche Betreuung setzt Frauen häufig institutionellen Routinen aus, welche möglicherweise negative Auswirkungen auf den Geburtsprozess haben. Unterstützende Betreuung während des Geburtsprozesses kann emotionale Unterstützung, Maßnahmen zum Wohlbefinden, Informationen und Fürsprache für die Frau beinhalten. Diese Aktivitäten können die physiologischen Geburtsprozesse sowie das Gefühl der Frau, die Kontrolle zu behalten und kompetent zu sein, verbessern und somit die Notwendigkeit von geburtshilflichen Interventionen verringern. Der Review beinhaltet 23 Studien (22 enthielten Daten) aus 16 Ländern mit mehr als 15.000 Frauen, aus sehr unterschiedlichen Einrichtungen und Situationen. Die kontinuierliche Betreuung wurde entweder vom Krankenhauspersonal (z.B. Krankenschwestern oder Hebammen) geleistet, von Frauen, die nicht zum Krankenhauspersonal gehörten und keine persönliche Beziehung zu der gebärenden Frau hatten (z.B. Doulas oder Frauen, die einen gewissen Leitfaden zur Betreuung hatten), oder von einer Begleitung der Frau, die sie selbst aus ihrem sozialen Netzwerk gewählt hatte (z.B. der Ehemann, der Partner, die Mutter oder Freundin). Für Frauen, die eine kontinuierliche Geburtsunterstützung erhielten, war es wahrscheinlicher „spontan“ zu gebären, das heißt ohne Kaiserschnitt und ohne Saugglocke oder Zange. Außerdem hatten diese Frauen eine geringere Wahrscheinlichkeit, eine Schmerzmedikation in Anspruch zu nehmen und eine höhere Wahrscheinlichkeit zufrieden zu sein; darüber hinaus hatten sie geringfügig kürzere Geburten. Ihre Säuglinge hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit, einen niedrigen 5-Minuten-Apgar Score zu haben. Es wurden keine unerwünschten Wirkungen festgestellt. Wir schlussfolgern, dass alle Frauen eine kontinuierliche Betreuung während des Geburtsprozesses haben sollten. Eine kontinuierliche Betreuung durch eine Person, die ausschließlich zur Unterstützung der Frau anwesend ist, kein Mitglied des sozialen Netzwerks der Frau ist und Erfahrung und Übung in der Geburtsbegleitung hat, scheint am nützlichsten zu sein. Im Vergleich zu keiner Begleitung während des Geburtsprozesses scheint die Unterstützung durch ein ausgewähltes Familienmitglied oder einen Freund die Zufriedenheit der Frauen bezüglich ihrer Geburtserfahrung zu erhöhen.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Eine kontinuierliche Betreuung während der Geburt hat einen klinisch relevanten Nutzen für Frauen und Säuglinge und führt zu keinem bekannten Schaden. Jede Frau sollte während der Wehen und der Geburt Unterstützung haben.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Geschichtlich betrachtet wurden Frauen während des Geburtsprozesses schon immer von anderen Frauen begleitet und unterstützt. Dennoch ist eine kontinuierliche Betreuung während der Geburt in Krankenhäusern weltweit nicht die Regel, sondern die Ausnahme geworden.

Ziele: 

Primärer Endpunkt: die Wirkungen von kontinuierlicher, intrapartaler persönlicher Betreuung verglichen mit der üblichen routinemäßigen Betreuung zu bewerten. Sekundäre Endpunkte: herauszufinden, ob die Auswirkungen einer kontinuierlichen Betreuung beeinflusst werden von: (1) Routinepraktiken und Richtlinien; (2) der Beziehung der betreuenden Person zum Krankenhaus und zur Frau; und (3) dem Zeitpunkt des Betreuungsbeginns.

Suchstrategie: 

Wir suchten im Cochrane Pregnancy and Childbirth Group’s Trials Register (31. Mai 2013).

Auswahlkriterien: 

Alle veröffentlichten und unveröffentlichten randomisierten kontrollierten Studien, welche kontinuierliche Betreuung während des Geburtsprozesses mit der üblichen routinemäßigen Betreuung vergleichen.

Datensammlung und -analyse: 

Wir nutzten die Standardmethoden der Cochrane Collaboration Pregnancy and Childbirth Group. Zwei Review-Autoren bewerteten unabhängig voneinander die methodische Qualität und extrahierten die Daten. Wir bemühten uns zusätzlich um Informationen von den Studienautoren. Wir wandten das Random-Effects-Model für Vergleiche in welchen eine hohe Heterogenität vorlag an und beschrieben die Ergebnisse, indem wir die mittlere Risk Ratio (RR) für kategoriale Daten und die mittlere Differenz (MD) für kontinuierliche Daten verwendeten.

Hauptergebnisse: 

22 Studien mit 15.288 Frauen erfüllten die Einschlusskriterien und lieferten brauchbare Daten zu den Endpunkten. Die Ergebnisse basieren, sofern nicht anders vermerkt, auf einer Analyse mit dem Random-Effects-Model. Für Frauen, die der kontinuierlichen Betreuung zugewiesen waren, war es wahrscheinlicher eine spontane vaginale Geburt zu haben (RR 1,08; 95% Konfidenzintervall (KI) 1,04 – 1,12) und weniger wahrscheinlich eine intrapartale Analgesie zu bekommen (RR 0,90; 95% KI 0,84 – 0,96) oder Unzufriedenheit zu berichten (RR 0,69; 95% KI 0,59 – 0,79). Außerdem waren ihre Geburten kürzer (MD - 0,58 Stunden; 95% KI - 0,85 – -0,31), sie hatten eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt (RR 0,78; 95% KI 0,67 – 0,91) oder eine vaginal-operative Geburt (Fixed-Effect-Model, RR 0,90; 95% KI 0,85 – 0,96), eine Regionalanalgesie (RR 0,93; 95% CI 0,88 – 0,99), oder ein Neugeborenes mit einem geringen 5-Minuten-Apgar Score (Fixed-Effect-Model, RR 0,69; 95% KI 0,50 – 0,95). Es gab keinen offensichtlichen Einfluss auf andere intrapartale Interventionen, maternale oder neonatale Komplikationen oder das Stillen. Subgruppen Analysen deuteten darauf hin, dass eine kontinuierliche Betreuung am effektivsten war, wenn die betreuende Person weder Teil des Krankenhauspersonals noch Teil des sozialen Netzwerks der Frau war, sowie in Einrichtungen, in denen eine Periduralanalgesie nicht routinemäßig verfügbar war. Es konnten keine Schlussfolgerungen in Bezug auf den Zeitpunkt des Beginns der kontinuierlichen Betreuung gezogen werden.

Übersetzung: 

N. Peterwerth, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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