Bewegungstherapie bei chronischem Erschöpfungssyndrom

An wen ist dieser Review gerichtet?

• Menschen mit chronischem Erschöpfungssyndrom sowie deren Familien und Freunde

• Fachleute in Einrichtungen, spezialisiert auf das chronische Erschöpfungssyndrom

• Fachleute im Bereich der Bewegungstherapie

• Allgemeinmediziner

Warum ist dieser Review wichtig?

Das chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, CFS) wird gelegentlich auch Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt. Forschungsergebnissen zufolge leben zwischen 2 bis 20 von 1000 Erwachsenen in den USA mit CFS. Betroffene leiden häufig unter lange andauernder Erschöpfung, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie Problemen mit der Konzentration und dem Kurzzeitgedächtnis. Diese Symptome verursachen beträchtliche Einschränkungen und Belastungen für die Betroffenen. Es gibt keine eindeutige medizinische Ursache für CFS. Die Betroffenen stoßen daher bei ihren Familien, Freunden und Ärzten häufig auf ein mangelndes und/oder falsches Verständnis ihrer Erkrankung. Die Richtlinien der britischen Gesundheitsbehörde National Institute for Health and Care Excellence (NICE) empfehlen eine Bewegungstherapie für Menschen mit CFS. Eine vorangehende systematische Übersichtsarbeit der bestehenden Evidenz deutete ebenfalls darauf hin, dass Bewegungstherapie ein vielversprechender Behandlungsansatz ist. Bewegungstherapie kann den Umgang mit CFS-Symptomen erleichtern, da den Patienten die schrittweise Wiedereinführung körperlicher Bewegung in ihren Alltag ermöglicht wird.

Dieser Review ist eine Aktualisierung eines Cochrane Reviews von 2004, der belegte, dass die Bewegungstherapie eine Erfolg versprechende Behandlungsmöglichkeit für Erwachsene mit CFS ist. Seit dem Review wurden weitere Studien veröffentlicht, die die Wirksamkeit und Sicherheit der Bewegungstherapie für Patienten mit CFS untersuchten.

Welche Fragen soll dieser Review beantworten?

• Ist Bewegungstherapie wirkungsvoller als „passive“ Therapien (z. B. Warteliste, Regelversorgung, Entspannung, Beweglichkeit)?

• Ist Bewegungstherapie wirkungsvoller als andere „aktive“ Therapien (z. B. kognitive Verhaltenstherapie (KVT), Pacing, Medikamente)?

• Ist Bewegungstherapie wirkungsvoller in Kombination mit einer anderen Behandlung als allein?

• Ist Bewegungstherapie sicherer als andere Behandlungen?

Welche Studien wurden in diesen Review eingeschlossen?

Wir suchten in Datenbanken bis Mai 2014 nach Studien mit guter Qualität zur Bewegungstherapie bei CFS. Eingeschlossen wurden nur randomisierte kontrollierte Studien bei Erwachsenen über 18 Jahren, von denen mehr als 90 % eine eindeutige CFS-Diagnose erhalten hatten. Wir konnten acht Studien mit insgesamt 1518 Teilnehmern in die systematische Übersichtsarbeit einschließen. In sieben Studien kamen aerobe Bewegungstherapien wie Gehen, Schwimmen, Radfahren oder Tanzen zum Einsatz. Eine Studie untersuchte die Wirksamkeit von anaerober Bewegungstherapie. In den meisten Studien sollten die Teilnehmer ihre Übungen zu Hause durchführen, und zwar zwischen drei- und fünfmal pro Woche, mit einer Dauer pro Einheit von 5 bis 15 Minuten und unterschiedlichen Steigerungsmethoden.

Ergebnisse

Evidenz von moderater Qualität zeigte, dass die Bewegungstherapie im Vergleich zu passiver oder keiner Behandlung Erschöpfung wirkungsvoll verminderte. Bewegungstherapie hatte eine positive Wirkung auf die körperlichen Aktivitäten des täglichen Lebens, den Schlaf und die Selbsteinschätzung des allgemeinen Gesundheitszustands.

Eine Studie deutet darauf hin, dass Bewegungstherapie Erschöpfung wirkungsvoller als Pacing-Strategien vermindere. Sie war jedoch nicht wirkungsvoller als die KVT.

Die Bewegungstherapie verschlimmerte die Symptome bei Menschen mit CFS nicht. Schwere unerwünschte Wirkungen traten in allen Gruppen selten auf, jedoch ist es wegen der eingeschränkten Datenlage schwierig, solide Schlussfolgerungen über die Unbedenklichkeit der Bewegungstherapie zu ziehen.

Die Evidenz reichte nicht aus, um Wirkungen der Bewegungstherapie auf Schmerzen oder die Nutzung anderer Versorgungsleistungen zu zeigen oder eine Einschätzung der Abbruchraten bei Bewegungstherapieprogrammen zu ermöglichen.

Was sollte als Nächstes passieren?

Die Wissenschaftler regen die Durchführung weiterer Studien an, um herauszufinden, welche Art von Bewegung sich am positivsten auf Menschen mit CFS auswirkt, welche Intensität am günstigsten und welche Dauer optimal ist und in welcher Form die Therapie am besten angeboten werden sollte.

Übersetzung: 

Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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