Körperliches Training zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Menschen mit Zystischer Fibrose (Mukoviszidose)

Reviewfrage

Wir haben die Evidenz (wissenschaftlichen Belege) beurteilt und zusammengefasst, inwiefern körperliches Training bei Menschen mit Zystischer Fibrose mit einer Verbesserung der aeroben Leistungsfähigkeit, der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und einem verlangsamten Abfall der Lungenfunktion einhergeht. Dies ist eine Aktualisierung von zuvor publizierten Reviews.

Hintergrund

Die Zystische Fibrose führt zur Beeinträchtigung vieler Organfunktionen, hauptsächlich aber der Lunge. Mit Fortschreiten der Lungenerkrankung kommt es zu Kurzatmigkeit und Einschränkung der körperlichen Aktivität sowie zu einer verringerten Toleranz gegenüber körperlicher Belastung. Dadurch wiederrum leiden die allgemeine Gesundheit und gesundheitsbezogene Lebensqualität. Wir haben nach Studien gesucht, in denen Menschen mit Zystischer Fibrose jeden Alters ein aerobes Training (kontinuierliche Aktivität mit geringer bis moderater Intensität, wie beispielsweise Jogging, Rad fahren, schwimmen oder „walken“), ein anaerobes Training (Gewicht- oder Widerstandstraining oder Rennen mit hoher Intensität und kurzer Dauer) oder eine Kombination aus beiden Trainingsmodalitäten durchgeführt haben und mit Personen, die kein körperliches Training absolviert haben, verglichen wurden.

Recherchedatum

Die Evidenz basiert auf Studien, die vor dem 10. März 2015 publiziert wurden.

Studienmerkmale

Der Review umfasst 13 Studien mit einer Gesamtzahl von 402 freiwilligen Teilnehmern. Die Anzahl der Teilnehmer reichte in den Studien von nur 9 bis 72. Eine Studie wurde ausschließlich mit Erwachsenen durchgeführt, sechs mit Kindern und Jugendlichen, und sechs weitere Studien hatten keine Altersbegrenzung. Vier Studien, bei denen das Trainingsprogramm während eines Krankenhausaufenthaltes durchgeführt wurde, dauerten weniger als einen Monat; in neun Studien erfolgte die Intervention im ambulanten Rahmen. Diese Studien dauerten zwei Monate bis 3 Jahre. An den Studien haben Freiwillige mit sehr unterschiedlichen Schweregraden der Zystischen Fibrose teilgenommen. Zwischen den Studien gab es auch Unterschiede hinsichtlich der Überwachung des Trainings und es wurden verschiedene Trainingsarten untersucht und verglichen.

Am häufigsten wurde die Veränderung der Lungenfunktion gemessen; andere häufig verwendete Zielparameter waren die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität; die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Veränderungen in der Muskelkraft und der Körperzusammensetzung (z.B. Muskel und Fett).

Hauptergebnisse

Aufgrund verschiedener Studiendesigns (Trainingsart, Trainingsdauer etc.) konnten die Ergebnisse der einzelnen Studien nicht kombiniert auswertet werden. In den kurzfristigen Studien führte das körperliche Training zu keinen nennenswerten Effekten. Die längerfristigen Studien konnten zeigen, dass körperliches Training vor allem die aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert. Es gab auch Verbesserungen in der Lungenfunktion und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, jedoch waren diese Veränderungen nicht in allen Studien nachweisbar. Um die Evidenz für die positiven Auswirkungen eines körperlichen Trainings auf wichtige Gesundheitsparameter bei Menschen mit Zystischer Fibrose auszubauen, braucht es längere und qualitativ hochwertige Trainingsstudien mit einer großen Anzahl an Teilnehmenden.

Qualität der Evidenz

Wir konnten eine kleine Anzahl an Studien mit bestenfalls moderater Qualität in unseren Review einschließen. In vier Studien waren gewisse Charakteristika der Teilnehmer schon zu Beginn der Studie zwischen den Gruppen unterschiedlich, obwohl die Gruppeneinteilung zufällig (randomisiert) erfolgte. Grundsätzlich können in Trainingsstudien die Studienteilnehmer natürlich nicht hinsichtlich der Gruppeneinteilung verblindet werden (das heißt in Unkenntnis darüber gehalten werden, welcher Gruppe sie zugeteilt waren). Wir denken jedoch nicht, dass die Ergebnisse der Lungenfunktionsuntersuchungen durch das Wissen um die Gruppenzugehörigkeit beeinflusst wurden, solange die Tests in korrekter Weise durchgeführt wurden. Im Gegensatz dazu gibt es ein Fehlerpotential, wenn die Untersucher, welche die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit eines Patienten messen in Bezug auf dessen Gruppenzugehörigkeit nicht verblindet sind. In weniger als der Hälfte der eingeschlossenen Studien wurden die Untersucher hinsichtlich der Gruppenzugehörigkeit verblindet, und in lediglich einer Studie war der verantwortliche Studienleiter verblindet. In den wenigsten Studien wurde die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhoben; wenn sie erhoben wurde, kamen verschiedene Messmethoden zum Einsatz. Auch die selektive Berichterstattung von Ergebnissen könnte ein Problem darstellen, da die meisten Studien nicht in einem Studienregister erfasst waren, um eine detaillierte Auskunft über die gemessenen Zielparameter zu haben. Insgesamt ist die Qualität der Evidenz lediglich schwach bis moderat, aber zukünftige Studien mit besserer Qualität könnten diese Ergebnisse verändern.

Übersetzung: 

T. Radtke, H. Hebestreit, S. Kriemler, Koordination durch Cochrane Schweiz.

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