Oral verabreichtes Misoprostol zur Einleitung der Wehentätigkeit

Oral verabreichtes Misoprostol ist ein wirksames Mittel zur Einleitung der Wehentätigkeit. Es ist wirksamer als ein Placebo, genauso wirksam wie vaginal verabreichtes Misoprostol und führt zu weniger Kaiserschnitten als vaginal verabreichtes Dinoproston oder Oxytocin. Es liegen jedoch noch immer nicht genügend Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vor, um die optimale Dosis bei größtmöglicher Sicherheit zu bestimmen.

Durch die Einleitung von Wehen in der Spätschwangerschaft sollen Komplikationen verhindert werden, wenn für die Schwangere oder ihr ungeborenes Kind Risiken bestehen. Zu den Gründen für eine Einleitung gehören Übertragung, das Platzen der Fruchtblase vor dem Einsetzen der Wehen (vorzeitiger Blasensprung) und hoher Blutdruck. Prostaglandine sind Hormone, die von Natur aus in der Gebärmutter (im Uterus) vorkommen; sie machen den Gebärmutterhals weich und regen die Gebärmutter in der Wehenphase zu Kontraktionen an. Das künstliche Prostaglandin E2, auch Dinoproston genannt, kann über die Vagina verabreicht werden, um Wehen herbeizuführen, jedoch ist es bei Raumtemperatur instabil und außerdem teuer. Oral (in Tablettenform) verabreichtes Misoprostol ist ein preiswerter und hitzebeständiger synthetisch hergestellter Abkömmling von Prostaglandin E1, der ursprünglich für die Behandlung von Magengeschwüren entwickelt wurde.

In diesem Review mit 76 randomisierten kontrollierten Studien (14.412 Frauen) stellten wir fest, dass oral verabreichtes Misoprostol offenbar mindestens so wirksam ist wie die aktuellen Methoden der Weheneinleitung. 9 Studien (1282 Frauen) zeigten, dass oral verabreichtes Misoprostol genauso wirksam war wie intravenös verabreichtes Oxytocin, jedoch zu signifikant weniger Kaiserschnitten führte. Eine höhere Rate von Verunreinigungen des Fruchtwassers durch Mekonium (Kindspech) wurde nicht mit unerwünschten Wirkungen auf das Ungeborene in Verbindung gebracht und könnte eine direkte Wirkung von Misoprostol auf das Verdauungssystem des Babys darstellen. Diese Wirkung wurde auch im Vergleich mit vaginal verabreichtem Misoprostol beobachtet, jedoch in geringerem Ausmaß. Die 37 Studien (6417 Frauen), in denen oral und vaginal verabreichtes Misoprostol verglichen wurde, berichteten über eine ähnliche Wirksamkeit, wobei in der Gruppe, die Misoprostol oral eingenommen hatte, der Zustand der Neugeborenen bei der Geburt besser war und es seltener zu Blutungen nach der Geburt kam.

In 12 Studien (3859 Frauen), in denen oral verabreichtes Misoprostol mit vaginal verabreichtem Dinoproston verglichen wurde, bestand für die Frauen in der Misoprostol-Gruppe eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt (21 % gegenüber 26 % in der Dinoproston-Gruppe), jedoch könnte dies auf eine insgesamt langsamere Geburtseinleitung zurückzuführen sein. Die häufigste Misoprostol-Dosis in diesen Studien lag bei 20 Mikrogramm. Die Raten für Hyperstimulation und mekoniumhaltiges Fruchtwasser waren bei Misoprostol und Dinoproston ähnlich hoch.

Die 9 Studien, in denen oral verabreichtes Misoprostol mit einem Placebo verglichen wurde (1109 Frauen), zeigten, dass oral verabreichtes Misoprostol wirksamer die Wehentätigkeit einleitet als ein Placebo und gleichzeitig eine geringere Kaiserschnittrate und weniger Einweisungen in die Neugeborenenintensivstation mit sich bringt. Die Qualität der Evidenz für einige Vergleiche war sehr robust (zum Beispiel für oral verabreichtes im Vergleich zu vaginal verabreichtem Misoprostol), bei anderen Vergleichen war die Stärke der Empfehlungen jedoch geringer.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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