CPAP-Beatmung (Überdruckbeatmung) durch die Nase direkt nach der Geburt zur Vorbeugung von Krankheit und Tod bei sehr unreifen Frühgeborenen

Fragestellung:Verringert eine CPAP-Beatmung, wenn sie direkt nach der Geburt vor dem Einsetzen von Atemnot begonnen wird, die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung und bronchopulmonale Dysplasie (BPD)?

Hintergrund: Frühgeborene Kinder können aufgrund ihrer unreifen Lunge Atemschwierigkeiten entwickeln. Dieser Zustand wird als Atemnotsyndrom des Neugeborenen (ANS) bezeichnet. Die übliche Behandlung besteht in einer Atemunterstützung mithilfe eines mechanischen Beatmungsgeräts. Neuere Studien haben gezeigt, dass es diesen Kindern zusätzlich hilft, während der unterstützenden mechanischen Beatmung ein sogenanntes Surfactant (spezielle oberflächenaktive Substanz der Lunge) in den Atemschlauch zu träufeln. Die Verwendung mechanischer Beatmungsgeräte birgt jedoch spezielle Risiken, insbesondere die bronchopulmonale Dysplasie (BPD), eine Form der Lungenschädigung, die bei der mechanischen Beatmung der unreifen Lunge auftreten kann. Die nasale Überdruckbeatmung (nasales CPAP, nCPAP) ist eine Form der Atemunterstützung entweder durch Schläuche in den Nasenlöchern oder durch eine Maske über der Nase, die den Mund freilässt. Sie soll die Atemanstrengung der Kinder senken, die selbstständig atmen können, und hat sich in der Behandlung eines bereits aufgetretenen ANS als hilfreich für frühgeborene Kinder erwiesen.

Suchdatum: Die Evidenz ist auf dem Stand vom Januar 2016.

Studienmerkmale: Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien mit vor der 33. Schwangerschaftswoche geborenen Kindern oder Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm, die in den ersten 15 Lebensminuten mit CPAP behandelt wurden und mit Kindern verglichen wurden, die entweder (1) eine unterstützende Standardversorgung wie Sauerstofftherapie erhielten oder (2) mechanisch beatmet wurden.

Ergebnisse: Wir fanden insgesamt sieben Studien mit 3123 Kindern. Sie waren allgemein von moderater Qualität. Eltern und Pflegepersonal wussten, welcher Behandlungsgruppe die Kinder zugewiesen waren, jedoch beurteilten wir dies als unwichtig für die meisten gemessenen Endpunkte. In den vier Studien (765 Kinder), in denen CPAP mit unterstützender Versorgung verglichen wurde, benötigten unter CPAP weniger Säuglinge weitere Atemunterstützung; allerdings waren die Studienergebnisse sehr uneinheitlich. In den drei Studien (2354 Kinder), in denen CPAP mit assistierter Beatmung mit oder ohne Surfactant verglichen wurde, führte CPAP zu einer geringen, aber klinisch bedeutsamen Verringerung von BPD und dem kombinierten Endpunkt BPD und Sterblichkeit (Mortalität). In der CPAP-Gruppe bestand eine geringere Notwendigkeit der mechanischen Beatmung und der Verwendung von Surfactant.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegen durch Cochrane Schweiz.

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