Unterstützung für gesunde stillende Mütter mit gesunden, am Termin geborenen Kindern

Worum geht es?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich durch Stillen zu ernähren und das Stillen bis zum Alter von zwei Jahren als wichtigen Baustein der kindlichen Ernährung beizubehalten. Wir wissen, dass Stillen sich kurzfristig und langfristig positiv auf die Gesundheit von Säuglingen und ihren Müttern auswirkt. Bei gestillten Säuglingen treten mit geringerer Wahrscheinlichkeit Infektionen des Verdauungstrakts, der Lunge oder der Atemwege sowie der Ohren auf. Auch für die Entstehung von Übergewicht und das Auftreten von Diabetes im späteren Leben besteht für gestillte Kinder eine geringere Wahrscheinlichkeit. Für stillende Mütter besteht ein geringeres Risiko für Diabetes sowie für Brust- und Eierstockkrebs. Viele Mütter hören möglicherweise früher mit dem Stillen auf, als sie selbst wünschen, weil sie auf Probleme stoßen. Eine gute Versorgung und Unterstützung können den Frauen dabei helfen, diese Probleme zu lösen, damit sie weiterstillen können.

Warum ist das wichtig?

Wenn wir wissen, wie wir Mütter beim Stillen unterstützen können, ist es möglich, ihnen bei der Lösung eventueller Probleme zu helfen, damit sie so lange weiterstillen können, wie sie möchten, und zwar unabhängig davon, wo sie leben. Ein vorzeitiges Beenden des Stillens kann zu Enttäuschung und Stress bei den Müttern und zu Gesundheitsproblemen für sie und ihre Säuglinge führen. Unterstützung kann in Form von Bestärkung, Lob, Informationen und Gelegenheiten zum Besprechen von Problemen und zum Stellen von Fragen nach Bedarf erfolgen. Dieser Review untersuchte, ob das zusätzliche Angebot organisierter Unterstützung für stillende Mütter ihnen im Vergleich mit der herkömmlichen Mütterberatung beim Weiterstillen hilft. Uns interessierte dabei Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal einschließlich Hebammen, Pflegepersonal und Ärzten oder durch geschulte Laien wie Gesundheitspfleger (Community Health Workers) und Freiwillige.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten am 29. Februar 2016 nach Evidenz und fanden weitere 31 neue Studien, die wir in den Review aufnehmen konnten. Dieser aktualisierte Review umfasst nun 100 randomisierte kontrollierte Studien mit mehr als 83.246 Frauen. Die 73 Studien, die Daten zur Analyse beisteuerten, stammten aus 29 Ländern und wurden mit 74.656 Frauen durchgeführt. Rund 62 % der Frauen kamen aus Ländern mit hohem Einkommen, 34 % aus Ländern mit mittleren Einkommen und 4 % aus Ländern mit geringem Einkommen.

Alle Formen zusätzlicher organisierter Unterstützung ergaben bei der gemeinsamen Analyse eine Zunahme des Zeitraums, über den die Frauen weiterstillten, entweder mit oder ohne Einführung anderer Flüssigkeiten oder Nahrungsmittel. Das bedeutet, dass weniger Frauen vor dem Ablauf von vier bis sechs Wochen bzw. sechs Monaten mit dem Stillen oder dem Vollstillen aufhörten (Evidenz von moderater Qualität). Sowohl geschulte Freiwillige als auch Ärzte und Pflegepersonal hatten einen positiven Einfluss auf das Stillen.

Zu den Faktoren, die möglicherweise zum Erfolg bei den voll stillenden Frauen beigetragen haben könnten, gehörten persönlicher Kontakt (statt Telefonkontakt), Unterstützung durch Freiwillige, ein spezifischer Zeitplan mit vier bis acht Kontakten und eine hohe Anzahl von Frauen in der Gemeinschaft oder Bevölkerungsgruppe, die mit dem Stillen begannen (Hintergrundsraten).

Der Begriff „Evidenz von hoher Qualität“ bedeutet, dass wir uns sicher sind, dass weitere Studien ähnliche Ergebnisse zeigen würden. Kein Endpunkt wurde mit „hoher Qualität“ bewertet. Der Begriff „Evidenz von moderater Qualität“ bedeutet, dass wir eine große Bandbreite an Variationen in den Ergebnissen fanden, wobei die Ergebnisse einiger Studien in diesem Review sich widersprachen. Neue Studien zu verschiedenen Arten der Unterstützung des Vollstillens könnten unser Verständnis davon verändern, wie man Frauen am besten hilft, das Vollstillen fortzusetzen.

Die methodische Qualität der Studien war gemischt und die Bestandteile der Maßnahmen der Standardversorgung und der zusätzlichen Unterstützung waren sehr unterschiedlich und wurden nicht immer ausreichend beschrieben. Auch bei den Rahmenbedingungen der Studien und bei den beteiligten Frauen gab es große Unterschiede.

Was bedeutet das?

Zusätzliche organisierte Unterstützung hilft Müttern, ihre Babys länger zu stillen. Die Stillunterstützung kann hilfreicher sein, wenn sie vorhersehbar ist, einem Plan folgt und Besuche von geschultem Gesundheitspersonal wie Hebammen, Pflegepersonal und Ärzten oder von geschulten Freiwilligen umfasst. Unterschiedliche Arten von Unterstützung könnten an verschiedenen geografischen Orten erforderlich sein, um die Bedürfnisse der dort ansässigen Menschen zu erfüllen. Wir brauchen zusätzliche randomisierte kontrollierte Studien, um festzustellen, welche Arten von Unterstützung für die Frauen am hilfreichsten sind.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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