Maßnahmen zur Behandlung von Schulterbrüchen bei Erwachsenen

Hintergrund

Ein Bruch des oberen Endes des Oberarmknochens (proximaler Humerus) ist eine häufige Verletzung älterer Menschen. Diese wird oft als Schulterbruch bezeichnet. Der Knochen bricht typischerweise knapp unterhalb der Schulter, üblicherweise nach einem Sturz. Bei den meisten dieser Brüche wird die über dem Bruch liegende Haut nicht durchstoßen. Der verletzte Arm wird häufig durch eine Schlinge unterstützt, bis der Bruch soweit geheilt ist, dass das Bewegen der Schulter möglich ist. Kompliziertere (verschobene) Brüche können operativ behandelt werden. Dabei können die Bruchstücke mit Hilfe verschiedener Methoden fixiert (miteinander verbunden) werden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den oberen Teil des gebrochenen Knochens zu ersetzen (halber ‚Schulter‘ersatz: Hemiarthroplastik). Seltener wird das ganze Gelenk einschließlich der Gelenkpfanne ersetzt (kompletter ‚Schulter’ersatz). Physiotherapie wird häufig eingesetzt, um bei der Wiederherstellung der Schulterfunktion zu helfen.

Ergebnisse der Literatursuche

Wir durchsuchten medizinische Datenbanken bis November 2014 und schlossen 31 randomisierte Studien (Studien, in denen die Teilnehmer verschiedenen Behandlungs- bzw. Vergleichsgruppen zufällig zugeteilt werden) mit insgesamt 1941 Teilnehmern ein. Die meisten der 18 Behandlungsvergleiche wurden nur von einer Studie untersucht. Die beste Evidenz (wissenschaftlicher Beleg) erbrachten acht Studien, von denen eine eine vergleichsweise große, multizentrische (an mehreren Studienorten durchgeführte) Studie war; diese Studien untersuchten, ob eine operative Behandlung bei verschobenen Frakturen zu einem besseren Ergebnis führte als eine nicht-operative Behandlung.

Hauptergebnisse

Neun Studien untersuchten eine nicht-operative Behandlung überwiegend weniger komplizierter Brüche. Eine Studie fand heraus, dass eine Armschlinge (Gilchrist-Verband) allgemein bequemer war als eine ‚Körperbandage’ (Desault-Verband). Es gab etwas Evidenz dafür, dass eine frühzeitige Mobilisation (Bewegungsbehandlung; innerhalb einer Woche) im Vergleich zu einer später begonnenen Mobilisation (nach drei Wochen) bei Menschen mit ‚stabilen‘ Brüchen zu weniger Schmerzen und einer schnelleren Genesung führt. Zwei Studien erbrachten schwache Evidenz dafür, dass viele Patienten generell ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen könnten, wenn sie eine ausreichende Anleitung für die eigenständige Durchführung von Übungen erhalten.

Acht Studien, die 567 Teilnehmer mit verschobenen Brüchen einschlossen, verglichen eine operative mit einer nicht-operativen Behandlung. Die rechnerisch (mittels statistischer Methoden) zusammengefassten Ergebnisse der fünf aktuellsten Studien zeigten, dass es zwischen den beiden Behandlungsansätzen in Bezug auf Messungen der Funktion und Lebensqualität aus Patientensicht nach 6, 12 und 24 Monaten keine bedeutsamen Unterschiede gab. Zwischen den beiden Gruppen gab es kaum einen Unterschied in Bezug auf die Sterblichkeit. Doppelt so viele Patienten aus der Operationsgruppe hatten zusätzliche oder sekundäre (Folge-) Operationen. Bei mehr Patienten aus der Operationsgruppe traten unerwünschte Ereignisse (Komplikationen) auf.

Zwölf Studien (744 Teilnehmer) untersuchten unterschiedliche operative Behandlungsmethoden. Es gab schwache Evidenz für einige Unterschiede (z.B. hinsichtlich Komplikationen) zwischen verschiedenen Behandlungsmaßnahmen (z.B. unterschiedliches Material oder die unterschiedlichen Verwendung von Material).

Es gab sehr begrenzte Evidenz, die auf ähnliche Ergebnisse einer frühzeitigen gegenüber einer später begonnenen Mobilisation nach operativer Fixierung oder Hemiarthroplastik hindeutet.

Qualität der Evidenz

Die meisten der 31 Studien hatten Schwächen, die die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse beeinträchtigen könnten. Wir erachteten die Qualität der Evidenz als entweder hoch oder moderat in Bezug auf die Ergebnisse des Vergleichs einer operativen gegenüber einer nicht-operativen Behandlung, was bedeutet, dass wir uns ziemlich sicher sind, dass diese Ergebnisse zuverlässig sind. Wir erachteten die Qualität der Evidenz für die anderen Vergleiche als niedrig oder sehr niedrig, was bedeutet, dass wir uns hinsichtlich dieser Ergebnisse unsicher sind.

Schlussfolgerungen

Für den Großteil der Menschen mit verschobenen Schulterbrüchen (proximale Humerusfrakturen) führt eine Operation zu keinem besseren Ergebnis und erhöht wahrscheinlich die Notwendigkeit von Folgeoperationen. Im Übrigen gibt es noch keine ausreichende Evidenz für die Ermittlung der besten nicht-operativen oder, wenn gewählt, operativen Behandlung für diese Brüche.

Übersetzung: 

M. Lohkamp, C. Braun, Koordination durch Cochrane Schweiz

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