Entwurmung von Schulkindern in Entwicklungsländern

In diesem Cochrane-Review haben Cochrane-Forscher die Wirkung von Wurmkuren für Kinder in Gebieten untersucht, in denen Infektionen mit Darmwürmern weit verbreitet sind. Nach einer Recherche nach stichhaltigen Studien bis April 2015 konnten wir 44 Studien mit insgesamt 67.672 Teilnehmern sowie eine zusätzliche Studie mit einer Million Kindern einschließen.

Was ist Entwurmung und warum könnte sie wichtig sein?

Über den Boden übertragene Würmer, darunter Rundwürmer, Hakenwürmer und Peitschenwürmer, sind in tropischen und subtropischen Regionen weit verbreitet und befallen vor allem Kinder in einkommensschwachen Gebieten, in denen es keine angemessene Sanitärversorgung gibt. Schwerer Wurmbefall kann bei Kindern mit Mangelernährung, Wachstumsrückstand und Blutarmut einhergehen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt derzeit, dass Schulkinder in endemischen Gebieten regelmäßig mit Medikamenten behandelt werden, die diese Würmer abtöten. Die empfohlenen Mittel beheben wirksam Wurminfektionen oder reduzieren sie weitgehend, aber die Frage bleibt, ob dadurch Blutarmut verringert und das Wachstum der Kinder verbessert wird und infolgedessen Schulbesuchsraten, schulische Leistungen und die wirtschaftliche Entwicklung verbessert werden, wie behauptet wird.

Was sagt die Forschung?

In Studien, in denen nur Kinder behandelt wurden, deren Infektion bekannt war, konnten Entwurmungsmittel die Gewichtszunahme erhöhen (Evidenz von geringer Qualität), aber wir wissen nicht, ob eine Wirkung auf die kognitiven Funktionen oder das körperliche Wohlbefinden besteht (Evidenzvonsehr geringer Qualität).

In Studien, in denen alle Kinder in einem endemischen Gebiet behandelt werden, haben Entwurmungsmittel auf die durchschnittliche Gewichtszunahme ( Evidenz von mäßiger Qualität), die Hämoglobinwerte (Evidenz von geringer Qualität) oder kognitive Fähigkeiten (Evidenz von mäßiger Qualität) eine geringfügige oder gar keine Wirkung .

Regelmäßige Wurmkuren alle drei bis sechs Monate dürften auf die durchschnittliche Gewichtszunahme ebenfalls nur eine geringfügige oder keine Wirkung haben (Evidenz von geringer Qualität). Die Wirkung war in den einzelnen Studien unterschiedlich: In einer Studie aus dem Jahre 1995 in einem Kontext mit geringer Prävalenz konnte eine Gewichtszunahme festgestellt werden. In neun weiteren Studien, die seitdem in Kontexten mit mäßiger bis hoher Prävalenz durchgeführt wurden, konnte jedoch keine Wirkung festgestellt werden.

Es gibt gute Evidenz dafür, dass eine regelmäßige Behandlung wahrscheinlich keine Wirkung auf die durchschnittliche Körpergröße (Evidenz von mäßiger Qualität), die Hämoglobinwerte (Evidenz von geringer Qualität), formale Kognitionstests (Evidenz von mäßiger Qualität)oder die Leistungen bei Prüfungen (Evidenz von mäßiger Qualität) hat. Wir wissen nicht, ob es eine Wirkung auf die Schulbesuchsraten gibt (Evidenz von sehr geringer Qualität).

Schlussfolgerung der Autoren

Die Behandlung von Kindern, von denen bekannt ist, dass sie eine Wurminfektion haben, kann die Gewichtszunahme verbessern, aber es gibt nur eine eingeschränkte Evidenz für einen weitergehenden Nutzen. Hinsichtlich der Routine-Entwurmung von Schulkindern in endemischen Gebieten gibt es eine recht erhebliche Evidenz dafür, dass Entwurmungsprogramme für den durchschnittlichen Ernährungszustand, die Hämoglobinwerte, die kognitiven Fähigkeiten, die schulischen Leistungen oder die Sterberaten keinen Nutzen bringen.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz

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